Email an alle Gemeinderäte:
Liebe Gemeinderäte,
mit völligem Unverständnis hat Oberzell Kenntnis genommen von dem geplanten Vorhaben einer konzentrierten, massiven Zusammenführung von Saisonarbeitern im Möhrischen Einfang. Die Bedenken und der Protest hiergegen wurden von einer Anwohnerinitiative zum Ausdruck gebracht. Wir haben bereits an 3 Abenden 50 Unterschriften erwachsener Bürger einsammeln können und es werden täglich mehr, da nun verschiedene Oberzeller die Diskussion und Initiative der Unterschriftensammlung selber in der Nachbarschaft aufgegriffen haben. Nach massivem Parkplatzausbau ohne z.B. den versprochenen Rückbau des alten Parkplatzes muss Oberzell nun schon wieder ein „Inselproblem“ bewältigen. Die komplette Liste der Unterschriften wird Ihnen nach Fertigstellung zugehen. Ein Ausschnitt liegt als Anlage bei.
Die Unterzeichnenden sind Bürgerinnen und Bürger, die nicht nur die Gemeinderäte gewählt haben, die dagegen gestimmt haben sondern auch – wie ich – teilweise die Gemeinderäte, die dafür gestimmt haben, in der Hoffnung, dass die eigenen Interessen gut vertreten werden. Insofern hat sich in den Gesprächen auch der Eindruck verfestigt, dass das Verfahren zu übereilt entschieden wurde und viele der Räte, die dafür gestimmt haben, sich der Tragweite dieses Vorhabens nicht bewusst gewesen sind oder auch vorab nicht richtig informiert waren.
Nicht nur die Unterzeichneten hegen Zweifel sondern auch einige Gemüsebauer selbst, mit denen die Anwohner gesprochen haben, zeigen Unverständnis und möchten diese Regelung nicht. Hr. Bürgermeister Dr. Zoll hat mir im Gespräch bestätigt, dass auch er den Eindruck in seinen Gesprächen gewonnen hat, dass von den Gemüsebetrieben eine ortsnahe Unterkunft gewünscht wird. Mit kultureller und multinationaler Mischung auf engstem Raum ohne laufende Betreuung haben viele auch schon ihre eigenen negativen Erfahrungen gemacht.
Im Gespräch mit Dr. Zoll wurde mir gesagt, dass sich das Verfahren noch lange hinziehen wird. Ich habe leider in den letzten Tagen viele Emotionen und Stimmungen und gegenseitige Anschuldigungen erlebt. Im Aufruf habe ich versucht, diese zu entemotionalisieren, um eine sachliche Diskussion zu führen. Diese Stimmungen und Halbwahrheiten führen aber zu einem unschönen Umgang und Misstönen untereinander. Ich hoffe daher, dass die Entscheidung baldigst überdacht und korrigiert wird. Ich habe Hr. Dr. Zoll das Gespräch angeboten, weitere Anregungen der Anwohner für die Lösung des Problems zu unterbreiten. Verschiedene Oberzeller Bürger haben auch hier schon Vorstöße gemacht.
Trotz aller Bereitschaft zum Dialog weiß ich als Sohn aus einer Anwaltsfamilie, dass mit dem Ratsbeschluss erst einmal ein rechtliches Faktum geschaffen wurde. Bei der Abstimmung stand wohl die Zahl von 200-400 Erntehelfer unwidersprochen im Raum. Uns direkten Anwohnern droht ein Wertverlust und Mietminderung durch ein spannungsreiches soziales und verkehrsintensiveres Umfeld sowie Prozess- und Verfahrenskosten, die durch diesen Beschluss und dem weiteren Verfahren ggfs. erfolgen werden und wir gegenüber der Gemeinde dann geltend machen werden. Insofern haben wir Anlieger und Grundstückseigner uns parallel zur Anwohnerinitiative in einer Anliegergemeinschaft zusammengeschlossen, um rechtliche Möglichkeiten auszuschöpfen. Jeder einzelne Anwohner wird hierbei durch einen anderen auswärtigen Experten im Baurecht unterstützt, um breitbandig das Problem anzugehen. Das betrifft nicht nur die direkten Anstösser, denn es gilt hier das Prinzip der sogenanten Rechtssphäre.
Mit diesem Schreiben möchte ich frühzeitig zur offenen Information und Diskussion beitragen und hoffe, dass die Entscheidung neu im Sinne der Bürger und Anlieger überdacht wird und in Ruhe ein neuer Beschluss gefasst wird.
Mit freundlichen Grüßen
Ingolf Rauh
Oberzeller Str. 10
78479 Reichenau
